Goodbye Calluna Sans

Vor einigen Tagen habe ich den Entschluss gefasst mich von Calluna Sans für den Fließtext zu verabschieden. Calluna Sans ist zweifelsohne eine tolle Schrift, umso mehr traf mich die Ernüchterung nach den ersten Tests. In nahezu jedem Browser und Betriebssystem sieht das Ergebnis anders aus. Hinzu kommt der »verhunzte« Look bei niedrigen Bildschirmauflösungen. Mist! Vorab sei gesagt, dass die Schrift über »typekit« eingebunden wurde. Was mich an dem wirklich tollen Service stört ist die fehlende Möglichkeit Schriften in einem Vorschau-Modus in verschiedenen Browsern und Betriebsystemen anzusehen. Am besten wäre in dem Zusammenhang direkt die eigene Website in die Vorschau einzufügen. Das würde die Entscheidung für, oder gegen eine Schrift unheimlich vereinfachen.

Besonders erschreckend war die Ansicht unter Windows. Warum? Nach ein wenig Probieren stellte ich fest, dass besonders unter Windows wirklich nur die Schriften gut lesbar angezeigt werden, die für den Bildschirm optimiert wurden. »Calluna Sans« fällt leider nicht unter diese. Das Problem ist nicht typekit-spezifisch. Auch die direkte Einbindung über @font-face brachte keine Besserung. Das unzureichende Hinting der verfügbaren Schriftarten, macht kleinere Schriftgrade fast unlesbar. Hinzu kommen unterschiedliche Schriftglättungsmethoden (Cleartype, Font Smoothing, etc.) die benutzt werden. Webmasterpro hat dazu eine interessante Untersuchung durchgeführt. 91% aller untersuchten Nutzer hatten eine Glättungsmethode aktiviert.

Eine Möglichkeit das Aussehen der Schrift zu verbessern kommt von Zoltan Hawryluk . Er detektiert durch den Einsatz von JavaScript ob eine Font-Smoothing Methode eingesetzt wird. Die Idee dahinter ist wirklich clever. Smooth gerenderte Buchstaben besitzen im Gegenteil zu anderen nämlich auch semi-transparente Pixel. Der Buchstabe wird auf ein Canvas »gemalt« und auf eben solche Pixel hin untersucht. Anschließend wird dem untersuchten HTML-Tag eine entsprechende CSS Klasse vergeben durch die es möglich ist z.B. eine andere Schriftart für die User festzulegen, welche kein Font-Smoothing nutzen. Das ist schön und gut, leider aber nur ein Workaround und keine richtige Ursachenbehebung. Es bleibt im Moment wirklich nur die Möglichkeit viel zu Testen und Schriftarten zu finden, die ein gutes Hinting aufweisen und für den Bildschrim-Einsatz geeignet sind. Hierbei sollten auch verschiedene Glättungstypen getestet werden.

##Fazit Man liest an vielen Stellen über die neuen Möglichkeiten die uns Webfonts bieten. Webfont Services sprießen aus dem Boden und bieten eine Fülle an Schriften gegen Bezahlung an. Was nützen uns aber diese, wenn sie nicht gut leserlich bzw. einfach noch nicht genügend bearbeitet sind um auf dem Bildschirm zu funktionieren? Ich will damit sagen, dass nicht alles was glänzt auch Gold ist und man bei der Auswahl einer geeigneten Schriftart Sorgfalt walten lassen sollte. Lieber eine Helvetica als eine unleserliche »coole« Webfont. Fast vergessen: Zum Einsatz kommt bei mir jetzt die FacitWeb, die sich imho wirklich geschmeidig und elegant liest. Abschließend noch einige informative Links:

  • Webfonts.info: Übersicht von Ralf Herrmann über verschiedene Font Licensing Modelle
  • Nicewebtype: nützliche Informationen rund um Web-Typografie
  • Fontslive.com: Informationen zu TrueType Hinting und Font Rendering
  • Artikel bei jowra.com: Besseres Font-Rendering unter Windows mit GDI++
  • Artikel bei typekit: Type rendering: review, and fonts that render well